Gazette 53 Editorial

Der politische Journalismus unserer Tage hat eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit hergestellt. Ob Spiegel oder Stern, ob Süddeutsche oder FAZ, ob Neue Zürcher Zeitung oder der Standard aus Wien – sie alle treibt der Wunsch um: Unseren täglichen Trump gib uns heute! Was macht der (angeblich) Wahnsinnige aus Amerika schon wieder? Wen beleidigt er? Welche Medien erklärt er zu Volksfeinden – wie kürzlich auf einer Pressekonferenz passiert? Und (als zartes Pflänzchen des investigativen Journalismus): Wann outet sich endlich die Praktikantin, der er unter den Rock gefasst hat? Letzteres hatten wir zwar schon mal, da regierte aber noch ein Demokrat im Weißen Haus. Lassen wir das. Warum? Weil es uninteressant ist. Fakt ist, dass (fast) alle Trump-Vorgänger irgendwo einen Krieg, eine Aggression oder einen Militärputsch initiiert haben – ob in Vietnam, in Afghanistan, im Irak, in Libyen, in Lateinamerika oder in der Vorwärtsverteidigung der Nato bis an die russische Grenze. Übrigens ein hoher Preis, den Gorbatschow für die deutsche Wiedervereinigung zahlen musste (nur hat er es zu spät gemerkt). Ob der „America First“-Populist Trump diesen Weg seiner Vorgänger auch gehen wird (und die liebe Clinton-Gattin Hillary wäre sicher eine gute Kriegs-Präsidentin geworden!), wissen wir (noch) nicht. Nur eines, liebe GAZETTE-Leserinnen und -Leser wissen wir: Treuebekenntnisse zu imperialen Mächten, Unterwerfungsgesten im Namen der Freiheit oder opportunistische Rücksichtnahmen werden wir nicht mitmachen. Wenn Sie uns allerdings dabei erwischen sollten, bitten wir um Ihre entschiedene Kritik.

Bleiben Sie uns trotzdem gewogen.

Rudolf Schröck
Chefredakteur

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