Unsere Zukunft – nur eine Wundertüte?

Investoren, Aufsichtsräte, Manager, Politiker, sie alle möchten wissen, was uns die Zukunft bringt. Aber auch ganz „normale“ Menschen, Väter und Mütter, Berufsleute oder auch Studenten, stellen sich die Frage nach der Zukunft. Und an vielen Unis gibt es sogar das Fach „Zukunftsforschung“. Doch was taugen eigentlich aktuelle Trends als Basis für Prognosen? Es gibt konkrete Beispiele.

                Von Christian Müller

 

Es war damals, Anfang der 1980er Jahre, der Renner im Buchmarkt: Megatrends! Das Buch erreichte in kürzester Zeit eine Millionenauflage, wurde in über 50 andere Sprachen übersetzt und hielt sich als Sachbuch-Bestseller monatelang auf Position 1. John Naisbitt, der Autor, war ja auch kein Kaffeesatz-Leser und kein Astrologie-Phantast nach Manier von Elizabeth Teissier. Im Gegenteil, Naisbitt war Absolvent der Elite-Universität Harvard, unter John F. Kennedy Stellvertretender Erziehungsminister und später Special-Assistant von US-Präsident Lyndon B. Johnson.
In „Megatrends“ erklärte John Naisbitt den US-Amerikanern, in welche Richtung sich die Welt in den kommenden Jahren verändern werde, sauber aufgelistet in 10 „Directions“. Mit ausführlicher Begründung, in vielen Punkten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierend, detailliert und weitestgehend nachvollziehbar. Für Journalisten war das Buch Pflichtlektüre, aber nicht zuletzt auch Geschäftsleute, Manager und Aufsichtsräte waren sehr interessiert, mit welchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen sie bei ihren strategischen Entscheidungen zu rechnen hatten. Sie alle lasen die „Megatrends“.

John Naisbitt konstatierte folgende zehn Megatrends und interpretierte daraus die Zukunftsaussichten für die kommenden Jahre:

  1. Auf dem Weg von einer Industrie- zu einer Informationsgesellschaft
  2. Je höher die Technologie, desto höher das Kontaktbedürfnis
  3. Von der Nationalökonomie zur Weltwirtschaft
  4. Von kurzfristig zu langfristig
  5. Von der Zentralisation zur Dezentralisation
  6. Von der institutionalisierten Amtshilfe zur Selbsthilfe
  7. Von der repräsentativen zur partizipatorischen Demokratie
  8. Von Hierarchien zu Verbundenheit, Verflechtung und gegenseitiger Abhängigkeit
  9. Von Norden nach Süden (innerhalb der USA)
  10. Vom Entweder/Oder zur multiplen Option

Haben sich Naisbitts zehn Megatrends bestätigt?

Wo lag John Naisbitt mit seinen Prognosen richtig und wo lag er falsch? Und warum lag er in etlichen Punkten falsch? Ist Zukunftsforschung überhaupt möglich? Und sinnvoll?

Megatrend 1: Von der Industrie- zur Informationsgesellschaft

Wir wissen es: Die Entwicklung von der Industrie- zur Informationsgesellschaft hat stattgefunden und dauert an. 1980 gab es bereits die Computer, deren zunehmende Bedeutung war erkennbar. Aber auch John Naisbitt konnte sich nicht vorstellen, dass der Siegeszug und die Popularisierung des elektronischen Rechners so schnell und so radikal erfolgen würden. Dass eine gute Generation später schon zwei von weltweit sieben Milliarden Menschen in Form eines Smartphones einen aus damaliger Sicht hochleistungsfähigen Computer mit bald unendlicher Speicherkapazität im Taschenformat mit sich herumtragen würden, war damals absolut undenkbar. Aber nicht nur in der Schnelligkeit des Wandels täuschte sich Naisbitt. In seiner Analyse glaubte er auch noch, Wissen bedeute Reichtum. Dass heute dank dem Internet das Wissen dieser Welt weitestgehend gratis zugänglich ist, war damals nicht vorauszusehen, denn das World Wide Web kam erst in den 1990er Jahren zum Laufen.

Megatrend 2: Wachsendes Kontaktbedürfnis aufgrund von mehr Technologie

Naisbitt wörtlich: „Je mehr Technologie wir in die Gesellschaft einführen, desto mehr drängen sich die Menschen zusammen, wollen miteinander und beisammen, nicht allein sein: im Kino, bei Rockkonzerten, beim Einkaufsbummel. Shoppingzentren sind inzwischen nach dem eigenen Heim und dem Arbeitsplatz bereits zum dritthäufigst besuchten Ort in unserem Leben geworden.“
Man ist geneigt zu sagen: Naisbitt lag absolut richtig. Die modernen Menschen gehen gern unter die Leute, zu Massenveranstaltungen, da, wo alle hingehen. In einem Punkt allerdings hat sich Naisbitt getäuscht. Wörtlich: „Einkäufe per Computer werden niemals die Freuden des persönlichen Einkaufes ersetzen können. Jedes Überraschungsmoment des Einkaufens würde verlorengehen.“

Megatrend 3: Von der Nationalökonomie zur Weltwirtschaft

Diesen Punkt können wir abhaken, es ist genau so gekommen. Trotzdem ist es interessant, was John Naisbitt zu diesem Thema schrieb. Die letzten Zeilen dieses Kapitels lauten bei Naisbitt: „Wenn es heute (1982) bei einem Land wie Japan nicht mehr vorstellbar ist, allein schon aus rein wirtschaftlichen Rücksichten, noch jemals militärisch übereinander herzufallen, warum dann nicht eines fernen Tages auch bei der Sowjetunion, wenn der Handel mit der UdSSR bis dahin offen genug, politisch ungehemmt und entsprechend weit entwickelt ist? Von den Ländern der Dritten Welt gar nicht zu reden. Ich jedenfalls finde: Je enger und intensiver die Weltwirtschaft wird, desto mehr bewegen wir uns auf einen immerwährenden Weltfrieden zu, auch wenn das im Augenblick noch so größenwahnsinnig und vermessen klingen mag.“
Den Zusammenbruch der Sowjetunion sieben Jahre später hat John Naisbitt nicht vorausgesehen. Aber auch die „Friedensliebe“ seines eigenen Landes hat er – mit Verlaub – total falsch eingeschätzt. Kein anderes Land hat in den letzten 30 Jahren mehr Kriege begonnen als die USA.

Megatrend 4: Von kurzfristig zu langfristig

Total daneben gegriffen hat John Naisbitt mit dem von ihm prophezeiten Megatrend, die Wirtschaft werde sich mehr und mehr an
langfristigen Zielen orientieren. Zwar steht da ein Satz, den man jederzeit unterschreiben könnte: „Langfristige Pläne müssen an die Stelle kurzfristigen Profitmachens treten oder unser geschäftlicher Niedergang – und der der ganzen westlichen Welt – wird sich noch beschleunigen.“ Naisbitts Optimismus aber, dass diese Erkenntnis auch tatsächlich zu einem Umdenken führe, blieb ein frommer Wunsch. Die ganze Geschäftswelt denkt heute kurzfristiger denn je und ist, wie Naisbitt richtig bemerkte, mit dieser Geschäftspolitik daran, den Niedergang der westlichen Welt zu beschleunigen, wenn nicht sogar bereits zu besiegeln.

Megatrend 5: Von der Zentralisation zur Dezentralisation

Dieses Kapitel im Buch Megatrends bezieht sich vor allem auf die USA und auf das Verhältnis zwischen Washington und den Bundesstaaten. Wie immer ein Optimist, glaubte Naisbitt eine Stärkung des regionalen Denkens zu erkennen. Auch hier ist es beim frommen Wunsch geblieben – nicht nur in den USA. Die zunehmende Ballung von Geld und Macht bewirkt das Gegenteil.

Megatrend 6: Von der institutionalisierten Amtshilfe zur Selbsthilfe

John Naisbitt glaubte in der US-amerikanischen Bevölkerung der
1960er Jahre so etwas wie eine Ermüdung festzustellen. Als Folge der traumatischen Wirtschaftsdepression in den frühen Dreißigerjahren des Zweiten Weltkriegs und des verlorenen Vietnamkrieges habe man sich mehr und mehr auf „Institutionen“ zu verlassen begonnen: auf die Ärzte und ihre Tabletten, auf Schulen, auf Firmen. Dann aber, in den 1970er Jahren, sei das Selbstvertrauen der Amerikaner wieder erwacht. Statt auf die Medizin verlasse man sich wieder auf Fitnessprogramme, bilde die Kinder wieder zu Hause statt in den finanziell in Schwierigkeiten steckenden Schulen aus, man repariere oder baue sein Haus wieder selbst, beschütze sich vor Kriminellen mit eigenen Waffen selbst, mache sich beruflich selbständig und trainiere das Überleben in Survival-Camps. Auch das Einsetzen des Geldes auf eigenes Risiko mit deutlich höheren Gewinnchancen sei wieder „in“.
Hat sich auch dieser Megatrend als richtig erwiesen? In den USA
sicher – bei der besser gestellten Hälfte der Bevölkerung, und zum 

Nachteil der anderen Hälfte. Denn die Selbsthilfe – heute wird eher das Wort Selbstverantwortung gebraucht – stärkt vor allem jene, die die drei Gs haben: Gesundheit, Geld und Glück, also zum Beispiel einen reichen Onkel oder einen Ehepartner aus der „guten Gesellschaft“. Jene aber, die nicht schon mit dem „Goldenen Löffel“ im Mund geboren sind, haben halt einfach Pech gehabt.

Megatrend 7: Von der repräsentativen zur partizipatorischen Demokratie

Das Zwei-Parteien-System in den USA sei tot, schrieb John Naisbitt und erklärte das damit, dass die repräsentative Demokratie zweihundert Jahre zuvor nur deshalb installiert worden sei, weil es mangels Kommunikationsmöglichkeiten gar nicht anders ging. Jetzt aber, im Zeitalter der schnellen Kommunikation, sei das System veraltet und nicht mehr zu rechtfertigen. Es sei jetzt das Zeitalter der Referenden und der Bürgerinitiativen angebrochen, also der partizipatorischen Demokratie. (Nach heutigem Sprachgebrauch hätte er auch schreiben können: der direkten Demokratie.) Der Trend sei offensichtlich.
Den Vormarsch des partizipatorischen Entscheidungssystems sah er aber nicht nur im Staat, sondern vor allem auch bei den Mammut-Konzernen. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen seien nicht mehr bereit, einsame Entscheidungen der Bosse zu akzeptieren und
– sic! – die Bosse hätten das auch begriffen. Es würden zusehends mehr unabhängige, außenstehende Leute in die Aufsichtsräte gewählt, die die Interessen der Bevölkerung vertreten könnten.

Was John Naisbitt da als „Megatrend“ zu erkennen glaubte, war aber gerademal sein eigener Wunsch. Nichts von dem hat sich realisiert, weder in den USA noch in Europa, weder in den politischen Systemen noch bei den großen Konzernen. Im Gegenteil: Bei den Firmen ist der noch vor Jahren geforderte partizipative Führungsstil total out, gefragt sind Manager, die nicht lange fragen, sondern knallhart entscheiden – und anschließend auch knallhart kassieren. Und in der Politik, bei den Wahlen in den USA, werden neue Köpfe – man denke an Bernie Sanders – schon bei den Vorwahlen vom eigenen Partei-Establishment ausgetrickst. Die Macht ist und bleibt ganz einfach oben!

Megatrend 8: Von Hierarchien zu Verbundenheit, Verflechtung und gegenseitiger Abhängigkeit

John Naisbitt erklärte in seinem Bestseller, dass bisher alle Machtstrukturen die Form einer Pyramide hatten: von den altrömischen Armeen über die katholische Kirche bis hin zu den Organigrammen von General Motors und IBM. Das aber habe sich in den 1960er und 1970er Jahren geändert zugunsten von Netzstrukturen. Naisbitt wörtlich: „Das Versagen der Hierarchien, die sozialen Probleme zu lösen, zwang die Menschen, miteinander zu reden – was zum Anfang der Netzstrukturbildung führte.“ Und auch hier kam er auf die Firmen zu sprechen, die sich wandeln würden:
„Wir werden unsere Großfirmen in immer kleinere und noch kleinere Einheiten unterteilen müssen, in mehr unternehmerische Einheiten, mehr partizipierende Einheiten.“
Was aber hat sich seither tatsächlich abgespielt? Netzwerke haben tatsächlich an Bedeutung gewonnen, aber nicht schon in den
1980er und 1990er Jahren, sondern erst mit den sogenannten Social-Media-Netzwerken, von denen John Naisbitt noch keine Ahnung hatte. Und in der Welt der Firmen ist es beim Alten geblieben – und noch schlimmer geworden. Heute ist der CEO einer Firma der absolute Boss, schon die übrigen Mitglieder der meist mehrköpfigen Geschäftsleitung haben praktisch nichts mehr zu sagen.

Megatrend 9: Von Norden nach Süden

Diesen von Naisbitt aufgeführten Megatrend können wir hier
überspringen, da er sich ausschließlich auf die USA bezieht und auf die Gewichtsverlagerung der Geschäftswelt von den Bundesstaaten im Nordosten der USA nach Kalifornien, Texas und Florida. Für uns in Europa unerheblich.

Megatrend 10: Vom Entweder/Oder zur multiplen Option

Unter diesem Megatrend subsummierte Naisbitt die Verlagerung der Familie zum einzelnen Individuum, zur neuen Einbeziehung der Frauen in den Wirtschaftsprozess, zur flexiblen Arbeitszeit, zur Freiheit der Kunst oder auch den Rückgang der großen „alten“ Glaubensgemeinschaften zugunsten neuer kleiner kirchlichen Gemeinschaften. Auch technologisch: Naisbitt erwähnt das Kabelfernsehen als „Special Interest-Information“, also für individuelle Bedürfnisse. Besonders interessant: „Von dem Mythos, ein Schmelztiegel der Völker und Rassen zu sein, ist man in den USA dazu übergegangen, die kulturelle Verschiedenheit als Bereicherung zu begrüßen“, so Naisbitt. Womit er, wie man bis vor ein paar Wochen glaubte, so ganz falsch nicht lag. Spätestens seit der Wahl von Donald Trump – und in Europa seit Viktor Orbán in Ungarn und Geert Wilders in Holland – allerdings wissen wir, dass der Rassismus nicht der Vergangenheit angehört, sondern offen propagiert werden darf und politisch zu Erfolg führt.
Was war – summa summarum – an den zehn von John Naisbitt diagnostizierten und prognostizierten Megatrends also richtig?
Besonders viel ist es nicht. In mehreren Punkten lag John Naisbitt mit seinem Millionen-Beststeller sogar komplett falsch. Mehrere von ihm erkannte Megatrends gab es nicht oder hat es kurze Zeit danach nicht mehr gegeben, waren also keine Megatrends, sondern eher Eintagsfliegen.

John Naisbitt machte drei Fehler

Erstens: Er verwechselte seinen Wunsch mit der Wirklichkeit. Er beobachtete einige Entwicklungen, die ihm vernünftig und wünschbar erschienen. Und schon erklärte er sie zu Megatrends. Naisbitt war ein Optimist. Er glaubte, dass sich Entwicklungen, die aus seiner
Sicht wünschbar waren, auch tatsächlich durchsetzen würden, zu Megatrends würden. Aber er irrte sich. Nicht immer setzt sich das Wünschbare durch. Nicht immer wird ein momentaner Trend, der Hoffnungen weckt, auch ein Megatrend. Vor allem was die Großkonzerne betrifft, wo Naisbitt einen partizipativen Führungsstil zu erkennen glaubte, sie haben sich ganz anders entwickelt: Ihre Bosse sind die realen Diktatoren dieser Welt, die sich um das Wohl der Welt einen Dreck kümmern und nur ihren eigenen Machtzuwachs betreiben und ihren eigenen Profit im Auge haben. Dieser Fehler John Naisbitts, zwischen Wunsch und Wirklichkeit nicht sauber zu unterscheiden, ist unverzeihlich.
Eher verzeihlich ist John Naisbitts zweiter Fehler: Er schloss – unausgesprochen – unerwartete Ereignisse, Erfindungen und Entscheidungen einfach aus oder er hat die Möglichkeit ihres Eintretens zumindest verdrängt.
Naisbitt schrieb sein Buch im Jahr 1982. Was er nicht ahnen konnte:

  • den Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 und damit das (vorläufige) Ende des Kalten Krieges,
  • die Erfindung des World Wide Web am CERN im Jahr 1989, die nicht zuletzt die ganze Medienlandschaft total veränderte,
  • die Aufhebung des Glass-Steagall-Act 1999 unter Clinton und die damit verbundene Bewilligung an die Banken, mit Kundengeldern ins Spekulations-Casino des Kapitalmarktes zu gehen – mit zum Beispiel der Finanzund anschließenden Wirtschaftskrise von 2008/09 als direkte Folge,
  • die Aktivierung des Global Positioning System GPS zur weltweiten Positionsbestimmung auf weniger als 10 Meter genau – und den damit ermöglichten Einsatz von Drohnen zur Tötung von Menschen, ohne ein eigenes Risiko einzugehen,
  • die Digitalisierung der Telekommunikation und die dadurch – in Verbindung mit GPS – ermöglichte totale Überwachung der Bürgerinnen und Bürger,
  • den von wem auch immer inszenierten Anschlag auf das World Trade Center in New York mit Datum 9/11 und den damit (mit Lügen) begründeten „Krieg gegen den Terrorismus“ mit noch heute unabsehbaren Folgen,
  • und anderes mehr.
    John Naisbitt hätte in seinem fast 300 Seiten starken Buch mindestens irgendwo ein Fragezeichen hinsetzen müssen: „... unter Vorbehalt neu entwickelter Technologien“.

Warnungen übersehen

Absolut unverzeihlich – aber vielleicht eben typisch „amerikanisch“

  • ist drittens John Naisbitts Ignorierung wissenschaftlich basierter Warnungen vor einer Wirtschaft ohne Nachhaltigkeit. Der Club of Rome wurde schon 1968 gegründet und spätestens durch seine Studie Die Grenzen des Wachstums, publiziert im Jahr 1972, weltbekannt. Oder hat Naisbitt die Warnungen des Club of Rome nicht erwähnt, weil er als Amerikaner eben wusste, dass nachhaltiges Wirtschaften in Amerika nie zu einem Megatrend werden würde?

Ist wissenschaftliche Zukunftsforschung also auch nur Kaffeesatzlesen?

Nein, Naisbitts Buch Megatrends; Ten New Directions Transforming Our Lives war und ist noch immer ein interessantes und lesenswertes Buch, lesenswerter als Madame Teissiers Prognosen in der Yellow Press. Lesenswert ist das Buch heute noch, weil darin zum Ausdruck kommt, welche Chancen wir gehabt hätten und wie wir uns – leider – immer wieder weigern, aus der Geschichte zu lernen.

Was aber sind die neuen Megatrends?

Ja, es gibt neue Megatrends, und es lohnt sich, sich ihrer bewusst zu werden, darüber nachzudenken. Einige von ihnen sind nämlich brandgefährlich, für uns alle. Die – nach Ansicht des Autors – wichtigsten seien hier aufgeführt, wenn auch nicht in der Ausführlichkeit, mit der John Naisbitt damals seine Thesen argumentativ gestützt hat. Auch die Reihenfolge ihrer Erwähnung sei kein Gradmesser ihrer gesellschaftspolitischen Relevanz.

Die Reichen werden immer reicher …

Der gegenwärtig auffälligste, globale Megatrend ist die zunehmend aufgehende Schere zwischen Arm und Reich – unter spürbarem Zerfall der Mitte. In einigen Regionen der Welt ist die Kluft schon sehr tief, in anderen Regionen beschleunigt sich das Auseinanderdriften der Einkommens- und Vermögensklassen. Nach neuesten Berechnungen und Einschätzungen der Vermögen der Superreichen verfügen die 62 reichsten Personen der Welt über ein Vermögen in gleicher Größe wie das Gesamtvermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Sprich: 62 Personen besitzen zusammen so viel wie 3,5 Milliarden Menschen zusammen.

Warum es zu diesem neuen Megatrend gekommen ist und über weitere von Christian Müller analysierte Megatrends lesen Sie in der gedruckten Ausgabe 52 der GAZETTE. Sie liegt in diesen Tagen in Ihrem Briefkasten und an den großen Bahnhof-Kiosken.

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