Nummer 11, herbst 2006                                      


                                                                                                                                                            
 

Der besondere Film

Schröder liegt in Brasilien

Ich werde in dieser Schnurre 5 Sprach/Rechtschreibspielarten verwenden: 1) Siegfriedisch, das rrreingermarnische Deutsch (aber rrrichtig!),
2) wunschdeutsch, das basis-demokratische deutsch, nach den abstimmungen von 20 000 zuschauern in meinen literaturshows entstanden,
3) ultradoitsh-S, das seriöse ultradoitsh, richtung fonemishes deutsh, in 36 fasen, parwaise auf 18 iare fertailt, 4) ultradoitsh-U, das unseriöse, wo au de gramatik entshlaket werd, un 5) IPI, das pro Internasionale Pijin Inglish steht und ‚ippi’ aussproken werd, a sort inglish-esperanto. Das ganze findet natürlich im progressiven modus statt, damit es dem leser nicht plötzlich übel wird, sondern erst allmählich. Der film selbst
hat eher wenig mit sprache zu tun. Was ich hier mach, mach ich zum spass. http://www.schroeder-brasil.com

Von Zé do Rock

Der ursprung des films ‚Schroeder liegt in Brasilien’ liegt in der weiten, unendlichen vergangenheit des Universums. Irgendwann wurde der Milchweg geboren, irgendwann das Sonnengefüge aufgebaut, die Erde, die Wechseltierchen, die Menschenaffen, die Menschen, meine Vorfahren und schließlich Meinerselbst. Ich ging immer gern ins kino, und als ich im alter von 13 jahren mit freunden zu einer anderen stadt trampte, fand ich das ganz toll und dachte mir, ich muss zwei träume im leben realisieren: um die welt trampen und mindestens zwei gute filme machen.

Ich dachte, ich schaff die weltreise in 2 oder 3 jahren, es wurden 13. Und mit dem film is nu auch die gleiche litanei.

Meine urgroßeltern waren litauer, deutsche und russen. Die Deutschen Vorfahren kamen übrigens aus Lodz, eine von vielen Räuberländern bewohnte Stadt. Ich bin brasilianer vom ursprung und vom pass her. Während meiner trampreise um die welt blieb ich einmal länger in Deutschland und drehte mit meinem damaligen freund Christoph Konrad einen film, der ‚No Elephants’ hieß. Der film hieß so, weil im film keine elefanten zu sehen sind. Es war ein lustiger dokuspielfilm, auf VHS gedreht, die technik war miserabel, es hat aber trotzdem gereicht, um ein paar wochen lang in einem münchner kino zu laufen und ab und zu in einem festival. Die Zeitungsbeschreibungen waren gar nicht übel, obwohl selbstredend alle das schlechte Gerätehandhaben erwähnt haben.

Es ging mit meiner weltreise weiter, irgendwann kam ich zurück nach Brasilien. Die freundin, die ich in Deutschland zuletzt hatte, besuchte mich, wir bereisten das land und beschlossen, zusammen nach Deutschland zu gehen – ich hatte noch keine infrastruktur in Brasilien aufgebaut.

In München fuhr ich taxi und schrieb an einem buch, in dem ich den deutschen zeigte, wie ihre sprache zwar ausdrucksreich aber kompliziert und chaotisch is. Und die kompliziertheit nützt nix: Ochsenfurt hat nicht mehr kultur als Oxford, nur weil es ein haufen unnütze buchstaben hat. Ich bewies, dass die Sprache einfach und immer noch ausdrucksreich sein kann. Das konnte ich nur in buchform zeigen. Ich habe dann das manuskript an zwanzig verlage geschickt, immer in einer übergroßen kiste mit einem Cinzano, einem aperitif, damit der lektor appetit aufs manuskript kriegt. Ich bekam trotzdem 20 absagen, aber immerhin kamen sie nach zwei wochen statt nach 2 monaten, und sie waren höchstpersönlich. Dann fand ich doch einen mini verlag. Über 100 meistens begeisterte Schnurren wurden über das Buch geschrieben, ich wurde mehrfach ausgezeichnet. Nur ein großer bestseller is es nicht geworden. Ein grund mag die tatsache gewesen sein, dass der verlag am anfang des medienbuums sozusagen pleite ging und sie keinen vertrieb mehr hatten.

Nach dem buch wollte ich einen film machen. Ich schrieb ein drehbuch und versuchet, an einen produzenten oder filmförderung zu kommen. Da ging nichts, und irgendwann schrieb ich noch ein Buch. Danach wieder ein drehbuch, mit dem ich wieder keinen erfolg hatte. Also ging alles von vorne los.

Da dacht ich mir, junge, nu muss du echt einen film machen, koste es was es wolle. Ich brauchet ein projekt, das auch mit wenig geld realisierbar war. Keine Frage, ein Dokumentarstreifen oder so was ähnliches. Worüber, war mir bald klar: Brasilien. Ich war in Brasilien genauso kritisch gegenyber dem land wie die meisten brasilianer. Aber dann ging ich in die weite welt und stellet fest, das man Brasilien noch viel schlimmer zeichne als es schon is. Wenn wan üver politik in China berichte, zeig wan ein paar politikes oder die skyline von Shanghai. Wenn man über fussballländische Landesverwaltung spricht, zeigt man Kinder, die sich was Essbares auf einem Abfalllager suchen. Dabei is noch heute das prokopf-einkommen von Brasilien 4 mal größer als das von China. Und fast 50 mal gröszer als das einkommen von manchen afrikanischen staaten. Klar, es is alles ziemlich ungerecht verteilt, aber ihr musst nicht glauben, es is in solchen ländern viel besser. In Brasilien giv es (super ungefähr) 40% mittelklasse, 40% armes, die nicht kurt vorm verhungern sind, und 20% unterernährte. Was selbstredend ein Unding ist in einem Land, das vermutlich genug Essen für Nord- und Südneuland (also das gesamtamerikanische Erdteil) zusammen hätte. Trotzdem: 20% unterernährte is was anders als „die mehrheit der bevölkerung is am verhungern“, wie’s in manchen zeitungen steht.

Problematisch war, ein brasiliendoku kann man kaum in die kinos bringen. Da fiel mi ein, das nicht nur Brasilien mit vielen klischees wie armut, samba, fussball, regenwaldzerstörung behaftet is, sondern auch Deutschland mit seinen zu kämpfen hat: nazi, blond, dick, gewalttätig, schlechtgelaunt, bier, Mercedes. Wenn man zum exempel die names ‚Uruguai’ oder ‚Tadjikistan’ hör, fallen einem nicht so eazy clischees üver diese lände ein.

Aufgefallen war mir, wie wenig man braucht, um solche Vorurteile zu ernähren. Ich war schon einige wochen in Deutschland, kam in eine cafeteria am Hauptbahnhof, zapfte limo aus der maschine, und als ich zur kasse kam, wurde ich von der kassiererin beschimpft, weil ich das glas voller gemacht hatte, als der strich am glas es erlaubte. Ich hatte natyrlich keinen strich bemerkt, und dachte mir nur: ach so, ja, wir sind in Deutschland. Dat is das land der groben menschen. Dabei hatte ich wochen im lande verbrach, ohne solche unannehmlichkeiten tu erleben.

Wie alle Anderen, müssen auch die Deutschen eifrig ihre Vorurteile füttern: als mich ein deutscher Freund in Heiliger Kleiner (Sao Paulo) besuchte, gingen wir Stundenlang durch die Innenstadt, und irgendwann sah er einige Bettler auf dem Gehsteig. Er sagte sofort, ja, das is ja der wahnsinn in diesem land, da gibt es diese ganzen reichen einerseits und dann diese massen menschen, die im elend versinken! Dabei hatte er schon tausende leute in der stadt gesehen, ganz normal angezogen, kaum millionäre, kaum bettler, erst recht nich in elend versinkende.

Also beschloss ich, einen vergleichenden film zu machen, nach dem motto „die deutschen sind arm aber gut drauf, während die brasilis viel geld haben aber dauernd jammern.“

In London ertählet ich dat einem englo und er lachet sofort. Haha! Ich fragte ihn, ob er deutsche oder deutschland kennt, kannte er nich. Und Brasilie, brasilianer? Auch nicht. Aber dat es verkehrt rum is, weiss jeder, dat gehoer tu der weltweisheit.

Anfang 2004 schrieb ich einen Drehplan und sandte es den Fernsehsendern. Sie wollten mein projekt nich finanzieren, weil es ihnen zu skuril erschien. Also sandte ich einen brief an alle freunde und bekannte, von denen ich eine adresse hatte, erzählte von meinem projekt, und fragte dann, ob sie in den film nich inwestieren wollten. Und ich fraget a paar alte freunde aus de branche, ob sie nicht kammera und ton mache wollet. Die saget zu.

Im Erstsommermonat waren 15 000 Weissos (die Währung des Weissenerdteilischen Bundes) zusammen gekommen. Das reichte nich, um ihn „normal“ zu produzieren, also der cru die entsprechende gage zu zahlen usw. Aber es reichte fyr einen lo-budget. Ich wollet a tropische Deutschland und a kolte Brasilie zeige, und dat is etwas problemish, weil sowohl de deutsche somma als auch de brasilianische winta bekanntlich kurz sind, und schlimma noch, glaichzaitlig. Also musset alu schnel begin, ich planet la beginu da shotu wercus (dreharbeiten) pro la 10. juni. Knapp, aber es ging nicht anders. Leider sagten die freunde, die kammera und ton machen sollten/wollten, ab, weil ihre freundinen sehr krank oder sehr schwanger waren.

Da der alte freund Christoph gerade bei mir zu gast war, fragte ich ihm, ob er nich in den ersten zeiten die kammera machen könnte. Er saget zu, obwol nit allu total unproblemish war.

Wi musset entsheide, weche camera wi nemen und dan, ob wan ainu kaufen oder miete sholte. Erwerben wäre selbstredend angenehmer, würde aber das Vorhabengeld sprengen. Insgesamt hatten wir 4 tage, um die ausrüstung zu organisieren, wofür mich Christoph laut kritisierte. Aber durch die späte absage der alten freunde hatte sich alles verschoben. I kaonnet nur versuke, de starttermin einzuhalten. Wen es shif go sholte, den wi hette eben musse vershibe la beginu. Am Ende fingen wir 4 Tage später an, weil der Bildaufnahmegerätverleih nicht am versprochenen Tag liefern konnte. Inzwischen hatte ich einen neuen tonmann organisiert, der aber zum drehstart nich kam und auch nich erreichbar war. So sind die doitschis. Und so musset ik auf de snellu noh en andre tono finden und ybazoige.

Wi ha shot a par intervius und senes in Mincha. Christoph übernahm die Gerätehandhabung, erläuterte den fast täglich wechselnden Schallmännern wie das alles geht. Wofür ich ihm ser dankbar war, da ich selber technisch eer auf dem nivo eines schimpanses bin, obwol ich teilweise dann selber den ton machen musste. Unterdessen hatte sich aine e-mail-arbeitsgruppe gebildet, einer machte die webseite, eine ybernam die pressearbeit, etc. De tittel „Mercedesland contra Jaguarland“ wurde zu ‚Schroeder liegt in Brasilien’, wail de sittilain Schroeder in Brasile lieg.
Da inzwishen Christoph sich auscante gut mit la tot equipment, i ha cuest im ob er volet come mit tu Berlin, den na hai nord und na wait est, und so wi ha depart. Da wir wochenlang unterwegs waren, beruhigte sich die Lage mit der Mannschaft, da die Schallmänner mindestens eine Woche dabei bleiben mussten.

Das große problem war die tägliche kritik von Christoph über meine organisazionsfeler. Ich machte tatsächlich organisazionsfeler, weil ich erstens als weltreisender und später als autor kaum was zu organisiren hatte und zweitens weil ich noch nie in einem „normalen“ film die regie und produkzion ybanommen hatte. Aussadem bin i zimli vergessli, was nit so slimm is, wenn man a sekretera od en assisti ha. Mas i hatte no dat alu. Wäre aber das nicht genug, bemängelte er meine Tätigkeiten auch wo es keinen Grund zur Bemängelung gab. Manchmal lief was schief weil leute mal wieder absagten oder nich zum vereinbarten termin erschienen, manchmal lief es sogar gut, und er münzte es auf schlechte arbeit um. Er schrieb fast täglich seine kritiken in der arbeitsgruppe. Wat mi extrem ergat, war dat er self ni wat organise hatte und de laistugesellshaft dauali kritiset, und plözli sich wi en obaproisso auffyret. Und i canet no liv it as dat, i hatte tu were mi contra his criticas, personali e na wercu-grup. Ein Riesen Zeit- und Kraftverlust, ganz zu schweigen, dass Viele die Arbeitsschar verlassen haben, weil sie das alles nicht mehr lesen konnten.

Wir ham vile arbeitslose interviut, penner, fabrikruinen, grafitti-verschmierte fassaden, müll überall, um den brasilianern zu zeigen, wie das paradies Deutschland ausschaut. Und einige ortsschilder wi Brasilien, Geil, Oberkaka, Unterkaka, Pissdorf, Weltwitz, um zu zeigen, das nich alles so toternst in Deutschland is, wi ma denkt.

Mit Christoph und de kammero Frank Sputh, de hauptsakli de ton maket, fliget i tu Brasil. Frank was a mega luk, er had al ecuipementos dabai, was organizet, consentrat, e neutral in relasion tu us. Wir kamen in Heiliger Kleiner an und erfuhren, dass es im Süden gerade geschneit hatte, so fuhren wir am nächsten Tag gleich los um noch Schnee zu erwischen. Es war zwar kalt, aber der schne war wek. Wir furen am dorf Fuck forbei, interwiuten file loite, darunter einige brasilianer doitsher abstammung, aber auch eine swarze oma, di am libsten hunsryckisch spricht, da si in Westfália geboren und in Teutonia aufgewaxen is. Lustish is de mishmash, de de brasilis fo doitsh abstammu sprek: a ser simplifiziret doitsh mit brasilishe substantivos. Mach die janel zu, es schuwt aufn sofá – mach das fenster zu, es regnet auf das sofa.

It was in part a belo voyagu, exepto la facto dat aua faitus stoped no. Ich hatte Wutanfälle, wie ich sie nie davor hatte. Wir ham fast 50 leute in Brasilien befragt, was sie essen, was sie denken, was sie machen. Alle sagten, brasilianer tanzen gern samba - aber si selber mögen es nich. Dei war sich alli aini, dat brasilis an de laufishe band faia, kaini wisset aba fon a parti. E na festa de wi finali ha find e shot, hav ai solo smol tok. Später fanden wir auch einen Fussballländler, der sich bitter über die Arbeit beschwerte, die es bedeutet, sein eigenes Schwimmbad zu reinigen, dabei zählte er sich zur unteren Mittelschicht.

Zurück in Deutschland mussten wir noch einige nachdrees erledigen, die sich über monate hinzogen, weil das geld alle war und ich wider taxi faren musste. Eine parti musst ich gar nich suchen, ich wurde zu einer eingeladen und di loite tanzten bis zum sonnenaufgang. In februar 2005 war wir mit de nachdrees endli ferti, habet 90 stunden filmmaterial un musset erstmal de komputu mit de bildflut fyttan, wat yba a monat dauat. Den i had tu giv a nam et a code tu ale clipes, so dat i cud finde dem lata. Und da es über 10 000 solche Schnitte gab, zog sich diese Arbeit mehrere Monate hin. Da das schnittstudio in meiner wonung war und Christoph bei mir wonte – insgesamt fast ein jar - stritten wir uns weiter, und mitte 2005 verliess er die wonung und die produkzion. Ich fand ain katta, der gut war und mit dem ich mich nich straiten musste. Mitte 2006 war de film ferti, es gab merere testshaus, zu ainu kommet sogar 600 loite. Sins a mond i siek a distributu, i reseved some refuzus, altemp acording tu la moto „la film is comic, interesal, original, ma fit not in aua program“. Keine Frage, so einen Streifen gibt es in keiner Verleihauswahl, so einen Streifen gab es noch nicht. Gestern kam endlich eine zusage. Es get foran. I hett naturli lust, mer in detai zu gen, aba de text is nu shon zu lang. Et if la filme sele gud, i scribe la buk tu la film. Und dann erwerbt ihr es schön fleissig, gell. Damit ich nich wider taxi faren muss. Di loite in den 5 testshaus waren maistens begaistat, mit ausname fo Christoph. I hat im mer kreddits geben als all andris, wail er au mer arbaite habet. Er compleine nau ki dei tu fiu e no gud enug. Das gleiche Verfahren jedes Jahr, wie die Angelländer sagen.
Nu, egal ob ir den film set, das buch lest, od ainfach oia lebu leb: i wish yu mucho haha e mucho yuhu.