Die Gazette Nr. 6, September 1998:
 
Buchkunst

Ratdolts AppianDer Augsburger Drucker Erhard Ratdolt arbeitete von 1476 bis 1486 in Venedig, wo seine schönsten Bücher entstanden, darunter 1477 die Römische Bürgerkriegsgeschichte von Appianus (Abbildung) und 1482 die "Elemente" des Euklid. Vorbildlich wurden seine in Holz geschnitzten Titelbilder und Initial-Seiten. Seine Renaissance-Initialen und -Einfassungen, ein detailliert ausgeformtes Rankenwerk, wurden stilbildend.Er hat mit diesen Neuerungen die folgenden Buchdrucker-Generationen nachhaltig beeinflußt.
Seine zweite Karriere begann nach dieser Ausbildung in Augsburg, wo in seiner Druckerei Werke für die Diözese Augsburg, aber auch mathematische und astronomische Texte erschienen. Er war einer der ersten, die Drucke nicht nachträglich kolorierten, sondern die gesamte Auflage im Vierfarbdruck herstellten (Schwarz, Rot Gelb und Oliv). Für jede Farbe mußte ein eigener Holzstock geschnitzt werden. Das Verfahren war jedoch zeitaufwendig und teuer. Deshalb wurden noch bis zum 18. Jahrhundert Schmuckinitialen weiterhin von Hand nachkoloriert.
Von Ratdolt stammt überdies die älteste erhaltene Schrifttypenprobe, mit der er für seine in Venedig erlernte Druckkünste Werbung betrieb.