Nr. 25, Mai 2000

 Essays      Interview     Leseproben     Net-Ticker     TextBilder    Rubriken     Archiv

 
TextBilder
 
 
 
 
 
 
 
 
 Buchkunst
 Lyrik
 Kurzprosa
Fotogalerie
 Die Marginalie

 

Fritz Mauthner (1898)

Walpurga, die taufrische Amme

nach Berthold Auerbach

...
Der hohe Säugling und seine Amme konnten miteinander zufrieden sein. Er lachte über alles, was sie ihm erzählte, und sie hörte nicht auf, derb und kräftig mit ihm zu schwatzen. Manches gute Wort hörte er da von seiner zweiten Mutter.
Wenn er aber schlief und ihr dann verboten wurde zu schwatzen, da schlich sie sich hinaus, setzte sich in das tragfeste Gezweig eines alten fürstlichen Birnbaumes und schrieb so ihre besten Einfälle nieder.

Aus dem Tagebuch Walburgas

Zwei mal zwei ist vier. Bei uns! Ob auch anderswo?

* * *

Es gibt arme Leute und reiche Leute auf Gottes allfreier Welt. Wohl dem, der es nicht ist.

* * *

Es ist eine Ähnlichkeit zwischen dem Boden der fürstlichen Säle und dem winterlichen Eise auf dem Dorfteich. Wer ausgleitet, fällt hin. Es gibt auch einen Unterschied. Welchen aber?

* * *

Mein hoher Säugling war heute sehr durstig. Ich aber sage: Gut und Milch für König und Vaterland! Ein gutes Wort, das ich einst meinen Kindern hinterlassen will.

* * *

Ich wollte, ich hätte Papier genug, um all die warmquellenden, schönen Worte aufzuschreibem die mir einfallen.

* * *

Alles hat mich hier lieb, um meiner Naivetät willen. Um mir dieselbe zu erhalten, lese ich täglich gute Dorfgeschichten oder gediegene Werke über die naive Volksseele.

* * *

Heute bewunderte der Herr Hofdichter meine Bemerkung: "Alte Liebe rostet nicht." Ein schönes Wort; ich schenkte es ihm.
...

Ihr Kommentar

 Essays     Interview      Leseproben    Net-Ticker     TextBilder     Rubriken     Archiv